Der Nåsner Frånz

Was war das für ein wunderbarer Tag. Der Aufstieg zum Kitzbüheler Horn war nicht ohne, aber wie reich wurde ich belohnt am Weg hinunter nach St. Johann, speziell an der Nordwestseite. Einfach spektakulär, das Gestein, der Blick in die Ferne. Nun bin ich am Etappenziel angelangt. Ein wunderbares Platzerl ist das in St. Johann, hier am Gasthof/Hotel „Schöne Aussicht“. Wer immer den Namen gewählt hat, viel Phantasie hat es dazu nicht gebraucht. Die Aussicht von der Terrasse aus ist wirklich phantastisch. In den Ort hinunter sind es zu Fuß nur ein paar Minuten, und doch ist hier die Welt eine ganz andere. Ich genieße die „blaue Stunde“, schaue zu, wie sich ein dunkler Schleier über das beeindruckende Massiv des Wilden Kaisers gegenüber legt, wie unter mir die Lichter angehen, wie sie in der Dunkelheit blinzeln wie tausende Sterne.

„Ja“, sagt Elisabeth Grander, die Juniorchefin des Hauses neben mir, „der Blick håt a für mi nu immer was Magisches.“ Sie führt mich in die „Jaga-stube“, der ältesten Stube des Hauses, die so erhalten ist, wie sie vor vielen Jahrzehnten gebaut wurde. Elisabeth musste dem Papa versprechen, hier nie etwas zu verändern. Das geschnitzte Tafer, so „Lisi“, würde heute wohl niemand mehr so anfertigen, das wäre gar nicht finanzierbar. Im Herrgottswinkel hängt ein „Kastl“, in dem der „Kåschtala“ drin ist, der Schnaps für den Besuch. „Und der Herrgott passt auf,“ lacht Seniorchef Franz Grander, der „Nåsner Franz“, wie ihn alle kennen. Er gesellt sich zu uns. Warum heißt es hier oben eigentlich „z’Nåsn“, frage ich ihn. „Mia lieg’n da ja auf am Gelände-Vorsprung. Friarah håt unser Haus noch in a andere Richtung g’schaut, und des håt vo unt’n ausg’schaut wia a Nås’n“, klärt er mich auf. Aha.

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